Kind sein am Spallerhof hieß für mich immer, Freiraum zu haben – mich Schritt für Schritt weiter entwickeln zu können – immer mehr Freiraum zu erlangen.
Ich bin in einem dieser herrlichen Innenhöfe in der Scheibenpogenstraße aufgewachsen. Direkt vor dem Fenster meiner Großmutter hatte diese einen kleinen Blumengarten angelegt. Alle “alten” Bewohner hatten so einen Garten, in den ersten Jahren wurde in den Höfen Gemüse angebaut, um die Not nach dem Krieg ein bisschen zu lindern. In meiner Kindheit blühten allerdings schon Rosenstöcke, Tulpen und andere Blumen.
In den allerersten Jahren beschränkte sich mein Horizont auf den Bereich vor dem Fenster meiner Großmutter – von der Garage mit dem geschotterten Vorplatz bis zum großen Baum beim Torbogen. Wenige Jahre später beherrschte ich bereits den gesamten Innenhof, die – damals noch nicht asphaltierten – Wege zu den Eingängen, der alles dominierende Kastanienbaum mit dem Lüftungsgitter zum Luftschutzbunker, der Eingang zu demselben – leider versperrt – und viele, viele Büsche und Verstecke.
4 Buben und 2 Mädchen waren wir, alle fast gleich alt und eine eingeschworene Gemeinschaft. Richtig spannend wurde es dann, als wir dann mit unseren Fahrrädern den ganzen Spallerhof erkunden konnten.
In der Scheibenpogenstraße gab es damals neben einem Schuster auch ein kleines Lebensmittelgeschäft. Dahinter, neben dem VOEST-Hotel, war “unsere Wildnis”. Ein paar hundert Quadratmeter verwilderte Landschaft, bedeckt mit Büschen und meist kleineren Bäumen. Ein Paradies für Kinder, ein Ort an dem man Zeit und Raum vergessen konnte. Unsere Hausübungen in der Volksschule waren meist schnell erledigt, wenn ein Kind länger als eine halbe Stunde lernen musste, wurde es von uns schief angeschaut – herrlich unbeschwerte Kindheit, ohne Sorgen und Pflichten.
Ein Jolly-Eis, gekauft beim Konsum oder eine Tafel Schokolade waren Besonderheiten, die uns den Tag versüßten. Oft bin ich mit meiner Omi zum Konsum einkaufen gegangen, wenn sie dann nach dem verbilligten Gemüse vom Vortag gefragt hat, wäre ich am liebsten im Erdboden versunken. Die herrliche Tomatensoße aus den vollreifen Früchten habe ich dann trotzdem genossen.
Nachdem ich nach der Volksschule ins Gymnasium gewechselt bin, hat sich hier für mich wieder eine neue Welt aufgetan. Neue Freunde, neue Stadtteile, neue Erfahrungen, geprägt hat mich allerdings der Spallerhof!