Von Pfarrer Mag. Franz Zeiger
In Linz angekommen werden sie in Zelten untergebracht. Es gibt für diese Menschen in unserer Stadt kein ordentliches Dach über dem Kopf, so scheint es.
Die Lage ist desaströs. Stimmt das? Gibt es wirklich keine andere Antwort, als die Verantwortung für die Schaffung halbwegs menschenwürdiger Unterkünfte zwischen Bund und Land hin und her zu schieben?
Vielleicht geht es auch anders. Im Herbst vergangenen Jahres haben wir 19 heimatlose Menschen im Bindermichler Pfarrhof aufgenommen. Am 1. Juni haben wir zusätzlich auch im Spallerhofer Pfarrheim ein zwar provisorisches, aber menschenwürdiges Quartier geschaffen. 10 Flüchtlinge aus dem Linzer Zeltlager wurden uns zugeteilt. Angekommen sind sie bei uns mit einem Plastiksackerl. Darin ein T-Shirt und ein paar Sandalen. Das war ihr ganzer Besitz.
Aber die Hilfs- und Spendenbereitschaft der Bevölkerung war überwältigend. Bekleidung und Schuhe konnten im Nu angeschafft werden. In unserer Spallerhof-Kirche steht seither auch ein Korb mit der Aufschrift „Ich teile gerne!“. Alle sind eingeladen, Lebensmittel, Toilettartikel – alles, was man halt so braucht, in diesen Korb zu geben. Und der Korb ist jeden Abend voll!
Unseren „Zuwachs“ erleben wir als Bereicherung. Am Bindermichl genau so wir am Spallerhof. Kontakte entstehen, Freundschaften werden geknüpft. Warum das funktioniert? Überschaubare, dezentrale Quartiere sind der Garant für eine rasche und unkomplizierte Integration.
100 weitere solche Quartiere hat unser Bürgermeister Klaus Luger der Frau Innenministerin angeboten. Leider hat sie abgelehnt. Sie möchte lieber jeweils mehrere hundert Menschen in große Gebäude zusammenpferchen. Dabei ist es eine Binsenweisheit: bei Massenquartieren sind Konflikte vorprogrammiert.
Was bleibt also? Kein ordentliches Dach über’m Kopf für Menschen, die ohnehin schon alles verloren haben. Zelte – eine Bankrotterklärung der Menschlichkeit!